Schwierige Situationen bei Demenz – und wie man ruhig und sicher damit umgeht

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 19:49

Schwierige Situationen bei Demenz – und wie man ruhig und sicher damit umgeht
© Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025

 

  1. „Ich will nach Hause.“

Der Satz bedeutet nicht das Haus – er bedeutet: Ich fühle mich nicht sicher.

Antwort:

Nicht korrigieren.

Nähe anbieten: „Ich bin bei dir.“

Sicherheit schaffen: ruhiger Ton, langsamer Atem, sanfte Berührung.

Dann ein kleines Ritual anbieten (Tee, Fotoalbum, Musik).

Ziel: Sicherheit im Gefühl, nicht in der Logik.

 

  1. Konfabulation (wenn Erinnerungen neu erfunden werden)

Sie „lügen“ nicht. Das Gehirn füllt Lücken, um Ordnung zu schaffen.

Antwort:

Niemals berichtigen oder bloßstellen.

Stattdessen an das Gefühl hinter der Geschichte anknüpfen:

„Das klingt nach einer wichtigen Zeit für dich.“

Biografie anerkennen, nicht die Fakten diskutieren.

 

  1. „Hier stimmen die Leute nicht, ich will weg.“ – Flucht- oder Weglauftendenz

Das ist ein Zeichen von Überforderung oder Reizstress.

Antwort:

Raumreize reduzieren (Lärm, Menschen, Unruhe).

Ruhige Stimme, klare Führung: „Komm, wir gehen gemeinsam ein paar Schritte.“

Orientierung über Gegenwart herstellen, nicht über Vergangenheit

 

  1. Aggressives Verhalten / Gereiztheit

Aggression ist meistens Angst – nie „Böse“.

Antwort:

Abstand halten, aber anwesend bleiben.

Keine Diskussion, keine Erklärung.

Ruhige Körperhaltung, tiefer Atem, langsame Bewegungen.

Erst beruhigen → dann Ursachen suchen (Schmerz, Reizüberflutung, Überforderung, Hunger, Müdigkeit).

 

  1. „Das ist nicht mein Zimmer!“

Verunsicherung in Raum & Zeit.

Antwort:

Keine Korrektur.

Stattdessen Orientierung über Vertrautes: Lieblingsdecke, Fotos, Geruch, Musik.

Satz: „Du bist hier sicher. Ich bleibe bei dir.“

 

  1. Weinen ohne erkennbaren Grund

Demenz verstärkt Gefühle ohne Worte.

Antwort:

Nähe anbieten, nicht trösten mit Worten.

Hand halten, sanfter Blickkontakt, Atem anpassen.

Musik mit emotionaler Bedeutung hilft erstaunlich schnell

 

  1. Wiederholungsfragen („Wie spät ist es? Wann gehen wir los?“)

Nicht „logisch“ beantworten – emotional.

Antwort:

Kurze, ruhige Antwort.

Und sofort ein Halt-Angebot:

„Ja, ich sag’s dir gerne. Ich bin bei dir. Alles gut.“

Wiederholung = Bedürfnis nach Sicherheit, nicht nach Information

 

  1. Misstrauen / „Ihr wollt mich hier festhalten!“

Hier spricht Angst vor Kontrollverlust.

Antwort:

Keine Rechtfertigung.

Ruhige Anerkennung des Gefühls: „Das fühlt sich gerade nicht gut an, ich sehe das.“

Dann körpernahe Sicherheit: langsamer Kontakt, gemeinsam atmen, klare Führung.

 

  1. Rückzug / Stummheit / kein Blickkontakt

Das ist eine Form von Selbstschutz.

Antwort:

Nicht drängen.

Still da sein.

Kleine, einfache Angebote: warmes Getränk, Musik, Hand berühren.

Präsenz heilt, nicht Worte.

 

  1. Nächtliche Unruhe / Aufstehen / Wandern

Körper sucht Sinn & Orientierung, nicht Bewegung.

Antwort:

Licht gedimmt → kein grelles Licht.

Ruhige Stimme, langsamer Schritt: „Ich gehe ein Stück mit dir.“

Dann sanft in einen ruhigen Sitz- oder Liegerhythmus zurückführen.

Möglich: kleine warme Milch, warme Hände, leise Musik.

 

Grundsatz für alle Situationen

Menschen mit Demenz denken nicht mehr in Logik – sie fühlen in Atmosphären.

Wenn die Atmosphäre stimmt, wird Verhalten ruhig.

Wenn sie überfordert, wird Verhalten unruhig.

Du führst nicht mit Worten.

Du führst mit Haltung.

ruhig

warm

langsam

klar

sicher

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