Ein Wegweiser für Angehörige und Freunde die einen dementiell veränderten Menschen begleiten

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 19:27

Leitfaden für Eltern: Kindern Demenz bei Großeltern erklären
Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2024

 

Wenn ein geliebter Mensch an Demenz erkrankt – besonders ein Großelternteil – kann das für Kinder verwirrend und belastend sein. Dieser Leitfaden hilft Eltern dabei, einfühlsam, altersgerecht und ehrlich mit ihren Kindern über das Thema zu sprechen.

 

  1. Grundsatz: Offen, ehrlich und altersgerecht

Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Schweigen oder Verharmlosung verunsichert sie mehr, als eine ehrliche, liebevolle Erklärung.

Beispiel:

„Oma ist krank. Sie hat eine Krankheit, die ihr Gedächtnis schwächt. Das heißt, sie vergisst manchmal Dinge – sogar wichtige.“

 

  1. Was ist Demenz? Einfach erklärt:

Für kleine Kinder (3–6 Jahre):

„Opa hat eine Krankheit im Kopf, die dafür sorgt, dass er sich nicht mehr alles merken kann. Er kann manchmal Namen, Orte oder sogar dich vergessen. Aber das liegt nicht an dir.“

Für Grundschulkinder (6–10 Jahre):

„Demenz ist eine Krankheit im Gehirn. Es ist, als würde ein Teil im Kopf nicht mehr so gut funktionieren. Deshalb vergisst Oma, was sie gerade gesagt hat, oder erkennt manchmal Menschen nicht wieder.“

Für ältere Kinder (10–14 Jahre):

„Demenz betrifft das Gehirn. Es ist wie ein Bücherregal, aus dem immer mehr Bücher herausfallen. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto mehr Dinge gehen verloren – zuerst die neuen Erinnerungen, später auch alte.“

 

  1. Gefühle der Kinder ernst nehmen

Kinder reagieren unterschiedlich – mit Angst, Wut, Traurigkeit oder Rückzug. Geben Sie ihnen Raum, ihre Gefühle auszudrücken. Sätze wie:

„Ich verstehe, dass dich das traurig macht.“

„Du darfst wütend sein, das ist okay.“

„Frag mich alles, was du wissen willst.“

 

  1. Verhaltensänderungen erklären

Kinder müssen verstehen, dass eigenartiges Verhalten Teil der Krankheit ist:

Opa schimpft plötzlich? – „Manchmal wird er wütend, obwohl es keinen Grund gibt. Das liegt an der Krankheit.“

Oma erkennt das Kind nicht mehr? – „Das tut weh, aber sie kann nichts dafür. Tief in ihrem Herzen liebt sie dich.“

 

  1. Verantwortung nehmen – entlasten

Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, sie müssten helfen, heilen oder aufpassen. Ihre Aufgabe ist es, Kind zu sein. Verdeutlichen Sie:

„Du musst dich nicht um Oma kümmern. Dafür sind die Erwachsenen da. Es reicht, wenn du da bist und sie besuchst.“

 

  1. Gemeinsam Wege finden

Je nach Alter können Kinder eingebunden werden:

Bilder anschauen oder malen

Alte Geschichten erzählen lassen

Musik hören oder zusammen singen

Gemeinsame Rituale (z. B. Teezeit)

 

  1. Unterstützung anbieten

Wenn Kinder verstört oder belastet wirken, bieten Sie aktiv Hilfe an:

Gespräche

Bücher über das Thema (z. B. „Oma vergisst mich manchmal“)

Austausch mit anderen Kindern

Kinderpsychologe bei Bedarf

 

  1. Was Kinder wissen sollten

Demenz ist nicht ansteckend.

Sie haben nichts falsch gemacht.

Der Großelternteil ist nicht „böse“, sondern krank.

Auch wenn sie vergessen werden – sie sind trotzdem geliebt.

Es ist okay, traurig oder wütend zu sein.

 

  1. Beispielhafte Erklärung

„Weißt du, unser Gehirn ist wie ein großer Schrank voller Erinnerungen. Bei Menschen mit Demenz fallen viele dieser Erinnerungen heraus – manchmal auch ganz wichtige. Deshalb ist Oma oft durcheinander oder sagt komische Sachen. Aber du bist immer noch ihr Enkelkind, und sie hat dich lieb – auch wenn sie es manchmal vergisst.“

 

  1. Abschlussgedanke für Eltern

Kinder sind sehr feinfühlig. Sie brauchen Ehrlichkeit, Zuwendung und das Gefühl, dass ihre Welt trotz allem sicher bleibt. Ihre liebevolle Begleitung ist das beste Mittel, damit sie mit der Situation umgehen können – mutig, verständnisvoll und stark.

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