Die 5 Phasen nach Kübler-Ross – und wie wir einfühlsam Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten
© Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025
Elisabeth Kübler-Ross hat beschrieben, wie Menschen emotional auf Sterben, Verlust oder die Nachricht über eine lebensverkürzende Erkrankung reagieren können.
Diese Phasen sind kein festes Schema, sondern innere Bewegungen.
Menschen wechseln zwischen ihnen hin und her. Manche überspringen Phasen.
Manche verweilen lange in bestimmten Phasen.
Manche drücken Gefühle kaum in Worten aus – sondern über Körpersprache, Verhalten oder Stimmung.
Gerade bei demenziell veränderten Senioren treten diese Phasen oft nicht sprachlich, sondern nonverbal auf.
Deshalb ist unsere Haltung entscheidend: Wir begleiten – wir erklären nicht.
Phase 1 – Verleugnung („Das kann nicht sein.“)
Der Mensch schützt sich vor der Überforderung.
Er blockt Informationen ab, zieht sich zurück oder reagiert mit scheinbarer Gleichgültigkeit.
Was tun wir als Begleiter?
Raum geben.
Nicht drängen.
Sicherheit vermitteln.
Zentraler Satz:
„Ich bin hier. Du musst das nicht alleine tragen.“
Phase 2 – Wut („Warum ich?“)
Die innere Spannung sucht ein Ventil.
Aggression, Reizbarkeit oder Unruhe sind Ausdruck von Angst und Schmerz.
Bei Demenz zeigt sich Wut oft als körperliches oder lautes Verhalten.
Was tun wir als Begleiter?
Nicht persönlich nehmen.
Gefühle anerkennen.
Beruhigende Nähe statt Diskussion.
Zentraler Satz:
„Ich sehe, dass es schwer ist. Ich halte das mit dir aus.“
Phase 3 – Verhandeln („Wenn ich noch… dann vielleicht…“)
Hier sucht der Mensch nach Kontrolle.
Er versucht innerlich, das Unvermeidbare aufzuschieben.
Bei Demenz geschieht das oft unbewusst:
Rituale, Wiederholen, Festhalten an Mustern.
Was tun wir?
Stabilität bieten.
Struktur & Rituale halten.
Hoffnung nicht löschen, aber sanft erden.
Phase 4 – Depression („Es wird real.“)
Nicht jede Depression ist Krankheit.
Hier verarbeitet der Mensch die Realität des Abschieds.
Schwere, Rückzug, Weinen oder Stille sind normal.
Was tun wir?
Aushalten, nicht reparieren.
Nähe anbieten, nicht aufdrängen.
Weinen ist ein Ausdruck von Verarbeitung – nicht von Schwäche.
Zentraler Satz:
„Du darfst traurig sein. Das ist menschlich.“
Phase 5 – Akzeptanz („Es ist in Ordnung so.“)
Nicht fröhlich.
Nicht begeistert.
Sondern friedlich.
Der Mensch lässt los.
Er wird ruhiger.
Die Bedürfnisse werden weniger.
Der Blick geht nach innen.
Was tun wir?
Sanfte Berührung.
Atemrhythmus begleiten.
Ruhe in den Raum bringen.
Zentraler Satz:
„Du bist sicher. Du bist gehalten. Du darfst gehen, wenn du bereit bist.“
Warum diese Phasen nicht starr sind
Jeder Mensch stirbt in seiner eigenen Zeit.
Gefühle bewegen sich wellenförmig, nicht linear.
Demenz verändert Ausdruck und Zugang zu Gefühlen.
Wir begleiten den Menschen – nicht das Modell.
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