Ein Gedicht: Weil ich Mensch bin

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 18:24

Gedicht von mir im Poetry Slam in Anlehnung auf das was ich geschrieben habe über die Arbeit in der Pflege und Betreuung
© Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025

 

Weil ich Mensch bin!

„Ich bin Betreuer. Und Mensch.“

Oft höre ich:

„Ihr Betreuer seid auch nur Menschen.“

Und ich nicke.

Nicht, weil ich’s nicht wüsste,

sondern weil es manchmal weh tut,

wie selbstverständlich das gesagt wird.

Pflegenotstand.

Betreuungsnotstand.

Zeitnotstand.

Not… Stand.

Als hätte unser Alltag ständig Sirenen im Hintergrund.

Und egal, wie schnell ich renne:

Ich komme manchmal nicht hinterher.

Ich mache.

Ich gebe.

Ich halte durch und ich halte aus.

Und trotzdem komme ich mit manchen Situationen nicht klar.

Bin traurig, wütend und verzweifelt im selben Moment.

Habe Angst die Situation nicht im Griff zu behalten und das sie mir aus den Händen gleitet.

Ich die Kontrolle verliere.

Und warum?

Weil ich Mensch bin.

 

Weil ja –

das ist Betreuung.

Das ist Pflege.

Ja weil weder die Bewohner, der Betroffene Angehörige, weil ICH nicht immer gleich ticken.

Weil wir Menschen sind.

Und ich habe nicht auf alles eine Antwort.

Nicht jede Reaktion ist Gold wert.

Nicht jedes Wort trifft richtig.

Nicht jede Verbindung wächst,

selbst wenn ich mir den Rücken und die Seele aufreiße,

bis ich abends am Küchentisch sitze

und meine Hände

nach Schweigen riechen.

Manchmal bete ich sogar davor, inmitten, nach einer schwierigen Situation: "Gott, höchste Existenz, Allmächtiger ...

HILF!

Doch Warum ist das so?

Weil ich Mensch bin.

 

Mit empfindlichen Stellen

zwischen Brustbein und Gedanken.

Mit Tagen,

an denen zu Hause die Welt knirscht

und ich sie nicht immer vor der Tür ausziehen kann

wie ein Paar Schuhe.

Weil sich mein Leben Grad neu sortiert

Weil ich aus meine Ecken und Kanten, keine Rundungen hinbekomme, die in der einen oder anderen Situation hilfreich, von Nöten wären.

Weil mein Mund manchmal schneller ist wie meine Gedanken und ich mich nicht immer gezügelt bekomme, obwohl ich es müsste, man von mir erwartet, ich es von mir erwarte.

Und Warum?

Weil ich Mensch bin.

 

Ja –

Ich habe schon überreagiert.

Ich habe schon gezuckt,

festgehalten,

losgelassen,

falsch gemacht.

Ich hatte Tage,

an denen mein Herz schwer war

und mein Lächeln dünn.

Und Warum?

Weil ich Mensch bin.

Und trotzdem –

Habe ich einen Wunsch.

Ein Ziel.

Ein inneres Feuer,

das nicht ausgeht.

Ich will

von Tag zu Tag

ein Stück besser werden.

Stärker, klarer, wärmer.

Ich will die Worte finden,

die halten –

nicht nur reden.

Ich will jeden Tag Menschen zum lächeln bringen.

Ich will jeden Tag ein Teil der Lösung und nicht des Problems sein.

Ich will die Theorie

nicht nur kennen,

sondern leben.

Mit Haut und Haaren

Mit Seele.

Mit Herz, das nicht hart wird.

Ich bin Lehrer

und Schüler

im gleichen Atemzug.

Und nur weil ich viel poste,

viel erkläre,

viel weiß,

viel kann –

bin ich nicht oben.

Bin ich nicht drüber.

Bin ich nicht „mehr“.

Bin ich nicht "besser".

 

Ich bin ein Mensch

mit Ecken, die nicht glattpoliert sind.

Mit Kanten, an denen man manchmal hängenbleibt.

Mit Stärken, die tragen.

Mit Schwächen, die zittern.

Nicht besser.

Nicht schlechter.

Nur da.

Mit euch.

Neben euch.

Unter euch.

Inmitten dieser Branche, inmitten des Alltags,

die Herz frisst und Herz schenkt,

im gleichen Atemzug.

Ich wollte das nur einmal sagen.

Nicht laut.

Nur ehrlich.

Authentisch!

Weil ich Mensch bin!

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