7 wichtige Fragen und Antworten rund um die Frontotemporale Demenz

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 10:31

7 wichtige Fragen und Antworten rund um Frontotemporale Demenz

© Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025

 

​1. Was ist der Hauptunterschied zu Alzheimer?

​Während bei Alzheimer fast immer der Gedächtnisverlust das erste Symptom ist, bleibt das Gedächtnis bei FTD-Patienten anfangs oft erstaunlich gut erhalten. Stattdessen verändern sich die Persönlichkeit und das Sozialverhalten massiv. Zudem tritt FTD meist deutlich früher auf – oft schon zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

 

​2. Welche Symptome sind typisch für die Verhaltensvariante?

​Die häufigste Form der FTD  äußert sich durch:

​Soziale Enthemmung: Betroffene verlieren das Taktgefühl, machen unpassende Witze oder verhalten sich fremden gegenüber distanzlos.

​Apathie: Ein starker Verlust an Eigeninitiative und emotionaler Anteilnahme gegenüber Angehörigen.

​Zwanghaftes Verhalten: Es entwickeln sich oft fixe Rituale oder Heißhunger auf Süßes.

​Mangelnde Krankheitseinsicht: Die Patienten merken selbst meist nicht, dass sie sich verändert haben.

 

​3. Gibt es auch sprachliche Formen der FTD?

​Ja, bei der sogenannten Primär Progressiven Aphasie (PPA) steht nicht das Verhalten, sondern der Sprachabbau im Vordergrund. Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden, Sätze grammatikalisch korrekt zu bilden oder die Bedeutung von eigentlich bekannten Begriffen zu verstehen.

​4. Ist die Frontotemporale Demenz vererbbar?

​FTD hat eine stärkere genetische Komponente als Alzheimer. Bei etwa 30 bis 50 % der Betroffenen gibt es eine familiäre Häufung. In ca. 10 bis 15 % der Fälle lässt sich eine direkte Genmutation nachweisen. Wenn ein Elternteil eine solche Mutation trägt, liegt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung an die Kinder bei 50 %.

  1. Wie wird die Diagnose gestellt?

​Da die Patienten oft noch jung sind und keine Gedächtnisprobleme haben, wird FTD anfangs oft mit Depressionen, Burnout oder einer Midlife-Crisis verwechselt. Sicherheit bringen:

​MRT- oder CT-Aufnahmen: Diese zeigen oft einen Gewebeschwund (Atrophie) im Stirn- und Schläfenbereich.

​Neuropsychologische Tests: Spezielle Tests für Sprache und Planungsvermögen.

​Fremdanamnese: Berichte von Angehörigen über Verhaltensänderungen sind entscheidend.

  1. Wie sieht die Behandlung aus?

​Eine Heilung gibt es aktuell nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome:

​Medikamente: Antidepressiva (SSRIs) können gegen Impulsivität und Aggression helfen. Klassische Demenzmedikamente (Cholinesterasehemmer) wirken bei FTD meist nicht oder verschlechtern die Symptome sogar.

​Therapien: Logopädie bei Sprachformen und Ergotherapie zur Strukturierung des Alltags.

​Sport: Regelmäßige Bewegung hilft, Unruhe und Aggressionen abzubauen.

  1. Wie geht man als Angehöriger am besten damit um?

​Die psychische Belastung für Angehörige ist extrem hoch, da der geliebte Mensch "fremd" erscheint.

​Nichts persönlich nehmen: Das aggressive oder taktlose Verhalten ist Teil der Krankheit, keine böse Absicht.

​Struktur schaffen: Ein fester Tagesablauf gibt dem Patienten Sicherheit.

​Selbsthilfe: Da die Pflege sehr zehrend ist, sind Beratungsstellen (z. B. die Deutsche Alzheimer Gesellschaft) und Selbsthilfegruppen für Angehörige essenziell.

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