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Umgang mit Angehörigen in Senioreneinrichtungen
Praxisleitfaden für Betreuungs- und Pflegekräfte
Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025
- Ziel dieses Handouts
Dieses Handout gibt Betreuungskräften praxisnahe Empfehlungen für einen professionellen, empathischen und lösungsorientierten Umgang mit Angehörigen. Es fördert Sicherheit im Auftreten, stärkt die Beziehungsqualität und dient dem gemeinsamen Ziel: bestmögliche Lebensqualität für die Bewohner.
- Grundhaltung gegenüber Angehörigen
Respekt – Verständnis – Transparenz – Kooperation
Angehörige sind wichtige Bezugspersonen und emotionale Anker der Bewohner.
Sie haben oft Sorgen, Schuldgefühle oder hohe Erwartungen.
Der Kontakt sollte stets professionell, wertschätzend und offen gestaltet werden.
- Kommunikation mit Angehörigen: Do’s & Don’ts
Do’s
Begrüßen Sie Angehörige aktiv und freundlich
Hören Sie aufmerksam zu – ohne zu unterbrechen
Verwenden Sie eine klare, verständliche Sprache
Bleiben Sie bei kritischen Themen ruhig, sachlich und lösungsorientiert
Holen Sie bei Unsicherheiten die Fachkraft oder Leitung hinzu
Dokumentieren Sie wichtige Aussagen oder Absprachen zeitnah
Don’ts
Keine medizinischen Diagnosen äußern
Keine Schuldzuweisungen
Keine vertraulichen Informationen weitergeben (Datenschutz!)
Keine Diskussionen „zwischen Tür und Angel“ führen
- Häufige Situationen im Umgang mit Angehörigen
4.1 Informationswunsch zum Zustand des Bewohners
Nur befugte Pflegekräfte dürfen medizinische Informationen weitergeben
Betreuungskräfte geben allgemeine Beobachtungen (z. B. „er wirkte heute ruhig und zufrieden“)
Verweisen Sie freundlich an zuständige Pflegefachpersonen
4.2 Unzufriedenheit oder Kritik
Hören Sie geduldig zu
Bleiben Sie ruhig und nehmen Sie Kritik nicht persönlich
Bedanken Sie sich für den Hinweis
Dokumentieren Sie die Rückmeldung
Informieren Sie Ihre Vorgesetzten
4.3 Emotionale Gespräche (Tränen, Schuldgefühle, Angst)
Zeigen Sie Mitgefühl, ohne zu dramatisieren
Sagen Sie z. B.: „Ich verstehe, dass das nicht leicht ist.“
Bieten Sie ein Gespräch mit Sozialdienst, Psychologen oder Seelsorge an
Ermutigen Sie zur Mitwirkung im Alltag des Bewohners
4.4 Grenzüberschreitungen (Wut, Vorwürfe, unpassendes Verhalten)
Setzen Sie freundlich, aber bestimmt Grenzen
Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sich unwohl fühlen
Dokumentieren Sie auffällige Vorfälle schriftlich
Melden Sie wiederholtes Fehlverhalten an die Leitung
- Zusammenarbeit fördern – Angehörige einbeziehen
Einladungen aussprechen: z. B. zu Festen, Aktivitäten oder Gesprächen
Stärken betonen: was Angehörige gut machen oder wie sie helfen können
Angehörige aktivieren: z. B. durch Fotoalben, Lieblingsmusik, biografische Erinnerungen
Anerkennung zeigen: z. B. durch kleine Dankesworte
- Dokumentation & Schweigepflicht
Gespräche, Rückmeldungen und Konflikte stets dokumentieren
Datenschutz und Schweigepflicht einhalten – auch bei Nachfragen gut bekannter Angehöriger
Keine Informationen über andere Bewohner weitergeben
- Selbstfürsorge für Betreuungskräfte
Grenzen wahrnehmen und einhalten
Regelmäßige Reflexion im Team
Unterstützung bei Konflikten einfordern
Keine private Freundschaft mit Angehörigen aufbauen
- Fazit
Der wertschätzende Umgang mit Angehörigen ist ein zentrales Element professioneller Seniorenbetreuung. Wer empathisch, ruhig und strukturiert kommuniziert, stärkt das Vertrauen – und sorgt damit für ein gutes Miteinander zum Wohle der Bewohner.
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