Nicht immer sind die Anderen schuld – Mein eigener Anteil an Konflikten

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 16:35

Nicht immer sind die Anderen schuld – Mein eigener Anteil an Konflikten

Selbstreflexion in Pflege & Betreuung

von Michael Bleek, Der Gerontotherapeut, 2025

 

  1. Der schwierigste Blick ist der in den Spiegel

Konflikte entstehen leicht.

Verantwortung übernehmen ist schwer.

Im Alltag ist es bequem zu sagen:

„Die anderen sind schwierig.“

„Mit denen kann man nicht reden.“

„Ich bin immer der, der nachgibt.“

Doch echte Entwicklung beginnt nicht bei den anderen.

Sie beginnt bei der ehrlichen Frage:

Welchen Anteil habe ich selbst an diesem Konflikt?

 

  1. Wie gehe ich mit Kritik um?

Kritik trifft fast nie nur den Verstand – sie trifft das Ego.

Und genau hier entstehen typische Reaktionsmuster:

Rechtfertigung

Gegenangriff

Rückzug

Trotz

Abwertung des Kritikers

Die entscheidende Frage lautet nicht: „War die Kritik schön formuliert?“

Sondern: „Ist vielleicht ein Teil davon wahr?“

Wer jede Kritik sofort abwehrt, schützt kurzfristig sein Selbstbild –

aber verhindert langfristig Wachstum.

 

  1. Wie gehe ich mit Ungerechtigkeiten um?

Ungerechtigkeit tut weh.

Sie erzeugt:

Wut

Ohnmacht

Kränkung

inneren Widerstand

Doch auch hier gibt es zwei Ebenen:

Die sachliche Ebene: Was ist wirklich ungerecht?

Die emotionale Ebene: Was macht das innerlich mit mir?

Manche Ungerechtigkeiten müssen klar angesprochen werden.

Andere muss man innerlich verarbeiten, ohne daran innerlich zu zerbrechen.

Nicht jede Ungerechtigkeit lässt sich sofort lösen –

aber jede lässt sich bewusst einordnen.

 

  1. Muss ich immer Recht haben?

Rechthaben ist kein Zeichen von Stärke.

Oft ist es ein Zeichen von Angst, Kontrolle zu verlieren.

Wer ständig Recht haben muss:

hört nicht mehr zu

kämpft statt zu klären

verliert Beziehung für Position

Die ehrlichere Frage lautet: Will ich Recht haben – oder will ich eine Lösung?

Beides gleichzeitig geht oft nicht.

 

  1. Muss ich immer das letzte Wort haben?

Das letzte Wort zu haben fühlt sich manchmal an wie ein Sieg.

Doch es ist oft ein Sieg über den anderen – nicht für den Frieden.

Manchmal ist Größe:

das Gespräch bewusst zu beenden

nicht alles auszudiskutieren

stehen zu lassen, was gerade nicht lösbar ist

Nicht jedes Schweigen ist Schwäche.

Manches Schweigen ist innere Stärke.

 

  1. Was ist mein persönlicher Part an Konflikten?

Diese Fragen sind unbequem – aber heilsam:

Reagiere ich schnell gekränkt?

Gehe ich oft in den Angriff?

Ziehe ich mich sofort zurück?

Spreche ich Dinge direkt an – oder über Dritte?

Höre ich zu, um zu verstehen – oder um zu antworten?

Konflikte entstehen selten durch einen Menschen allein.

Sie entstehen fast immer im Zusammenspiel.

 

  1. Selbstreflexion ist keine Schuld – sie ist Verantwortung

Selbstreflexion bedeutet nicht: „Ich bin schuld.“

Sondern: „Ich übernehme Verantwortung für meinen Teil.“

Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Das ist emotionale Reife.

 

  1. Was dieses Mini-Manual bewirken soll

Dieses Mini-Manual ersetzt:

keine Supervision

keine Teampflege

keine Konfliktmediation

Es soll:

zum Innehalten einladen

Denkprozesse öffnen

innere Ehrlichkeit fördern

Beziehungen entlasten

 

  1. Zentrale Leitbotschaft

Nicht jeder Konflikt ist meine Schuld.

Aber jeder Konflikt ist meine Verantwortung, wenn ich Teil davon bin.

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